Friday, May 18, 2012

Mein "Senf" zum 11. WM-Rang der Schweiz


Der 11. Platz an der WM - Versagt?

Wo liegen die Gründe für diesen 11. Platz? Wer hat was richtig oder falsch gemacht?

Viel wurde und wird in den Medien diskutiert über diesen vermeintlichen Misserfolg und welches die Gründe sind für diese „Enttäuschung“: Der Coach, die Entourage des Coaches, die NHL-Spieler, die Taktik, Verletzungspech etc.?

Für alle die sich nicht die Mühe nehmen wollen, die nachfolgend ausführliche Analyse zu lesen, hier vorab meine kondensierte Meinung:

     1. Der 11. Rang ist nur ein kleiner Misserfolg, Rang 9 oder 10 hätte der  Papierform entsprochen, wir liegen nur knapp daneben.

     2.   Die Gründe für dieses Resultat liegen nur im Detail beim Coach, beim Coaching-Staff, beim  Verletzungspech, bei der Taktik und bei der Spielerauswahl und Eiszeitverteilung. Dies sind alles Details die ins Reich des „Finetuning“ gehören.  Ja, auf höchstem Niveau sind manchmal Details für den Erfolg oder Misserfolg verantwortlich und darum muss man sich auch darum kümmern und zwar mit Akribie, keine Frage. Ich glaube aber, dass sich bei den Details gute und weniger gute Entscheide in etwa die Stange gehalten haben. Erstaunlicherweise wird bis jetzt aber vor allem und fast ausschliesslich über diese Details diskutiert.

     3. Der Hauptgrund für dieses schlechte oder ansprechende Resultat, je nach Sichtweise,  liegt aus meiner Sicht in der Durchschnittsqualität der Spieler und in unserer – von vielen Medien und teilweise auch Spielern (Bsp. Sbisa) – geschürten falschen Erwartungshaltung. Nicht die NHL wird in unserem Land überschätzt sondern unsere Liga und unsere Spieler.

So, jetzt zu den einzelnen Punkten, resp. Thesen die ich nachfolgend mit Argumenten und Fakten untermauern möchte. 

Haben unsere NHL-Spieler versagt?
Nein, das haben sie nicht. Mark Streit hat so ziemlich genau das gezeigt, was er gut kann (konstruieren, schiessen, Transitiongame). Das was er nicht so gut kann konnte er auch an dieser WM nicht kaschieren (physisches Spiel ohne Scheibe). Roman Josi hat mir sogar ausgesprochen gut gefallen. Er ist sehr smart, ein sehr guter Puckmover, gut in der Scheibenkontrolle und er setzte offensive Akzente. Sein spektakulärer Fehler (Missverständnis) gegen die Slovakei wird jetzt in der Gesamtbetrachtung seiner Leistung mancherorts viel zu stark gewichtet. Luca Sbisa wurde gegen Ende des Turniers immer besser, hat sich aber am Anfang überschätzt und wollte zu viel. Bei jungen Verteidigern sieht man dies sehr oft, dass sie zu viel wollen, sich nicht damit begnügen, einfach und unspektakulär zu spielen. Sbisa hat das Potenzial zu einem physisch dominanten, unspektakulär effizienten Zweiwegverteidiger. Aber mit dieser für ihn perfekt passenden Rolle muss er sich offensichtlich zuerst noch anfreunden. Nino Niederreiter ist erst 19 Jahre alt und hat eine brutale Saison hinter sich. Er hat stagniert, aber dies ist nicht ungewöhnlich bei der Entwicklung von jungen Spielern. Sein Charakter und seine Bodenständigkeit stimmen mich optimistisch, dass er früher oder später aus dieser Baisse rauskommt. Er war ein Dutzendspieler an dieser WM der mit seiner Wasserverdrängung und manchmal auch mit seiner Physis positive Akzente gesetzt hat. Es war aber sicher nicht so, dass er überfordert war oder falls doch, dann war es mindestens die halbe Mannschaft. Die „Ueberforderung“ hat vor allem mit der falschen Erwartungshaltung zu tun und dazu jetzt mehr:

Falsche Erwartungshaltung:
Ueberschätzt wird mancherorts in der Schweiz der Status unserer NHL-Cracks innerhalb der NHL. Streit wird in unseren Medien als NHL-Superstar präsentiert, was er nicht ist. Keiner unserer NHL-Cracks ist ein Superstar, keiner ist ein Star. Streit ist in der NHL ein respektierter Offensivverteidiger, schafft es aber nicht in die Hitparade der besten Spieler in der NHL und auch nicht in die Hitparade der besten Verteidiger. Aber:  Streit ist unser bester Spieler und hierfür gebührt ihm unser Respekt und weder er noch Sbisa, Josi oder Niederreiter verdienen die teils unqualifizierte Kritik die über sie ausgeschüttet wurde. Dies provoziert höchstens, dass es beim einen oder andern im nächsten Frühling „im Rücken zwickt“ und somit „leider“ nicht zur WM kommen kann… Fakt ist: Wenn Streit und Niederreiter gegen Kanada spielen dann stehen sie Duncan Keith und John Tavares oder Ryan Nugent-Hopkins gegenüber. Gegen die Slovaken sind das Zdeno Chara und Tomas Kopecky. Bei den US Amerikanern Jack Johnson und Bobby Ryan. Das  Resultat: Es gibt in aller Regel negative +/- Werte für Streit und Niederreiter weil Keith, Tavares, „Nuge“, Chara, Kopecky, Johnson und Ryan besser sind als Streit/Niederreiter und dies nicht weil Streit und Niederreiter versagt haben sondern weil dies die natürliche Qualitätshierarchie widergibt. Zurück zu den anderen NHL-Schweizern: Josi und Hiller sind dabei, sich in der Respekthierarchie einen erfreulichen Platz zu erkämpfen (Hiller als Stargoalie – noch nicht Superstar - , falls er seine gute Saison wiederholt und im allfälligen Playoff bestätigen kann), und Josi als Top4-Verteidiger in Nashville falls er verletzungsfrei bleibt und seine Leistungen aus der zweiten Saisonhälfte mindestens wiederholt. Sbisa ist ein solider, physischer Zweiwegverteidiger und sollte sich vorläufig auf exakt diese Rolle besinnen, dann ist er sehr stark und kann sich in einer Verteidiger Top-6-Position in einem NHL-Team festbeissen, aber er ist weit davon entfernt, ein NHL-Star oder gar Superstar zu sein. Sbisa ist mental noch nicht reif für eine Führungsrolle und noch zu wenig kreativ und zu wenig „skilled“, um als Offensivverteidiger auftreten zu können. Niederreiter und Bärtschi stehen am Anfang ihrer NHL-Karriere und haben noch einen langen, steinigen Weg vor sich. Auch hier, dies sind unsere Top-Shots bei den Jungen (Bärtschi, Niederreiter, Josi, Sbisa) aber im Weltklassevergleich sind sie halt doch nicht so gut wie die besten Jungen bei Kanada (Nugent-Hopkins,  Skinner, Eberle, Tavares), Schweden (Landeskog, Karlsson, Brodin), Finnland (Granlund, Teräväinen), Russland (Kuznetsov, Tarasenko). Es ist falsch, unsere Vorzeigespieler aus der NHL unqualifiziert zu kritisieren, sie sind das Beste was wir haben und sie haben definitiv ihr Bestes gegeben. Wir müssen sie pflegen und hegen aber unsere Erwartungshaltung an sie revidieren. Leider zeigt sich betreffend Qualitätshierarchie exakt dasselbe Bild bei den besten U20 und U18-Spielern. Unsere Besten sind nicht so gut wie die Besten der Top-Nationen und unsere Ergänzungsspieler sind im Durchschnitt nicht so gut wie die Ergänzungsspieler der Top-Nationen. Dies sind „Facts“ und dies ist der Hauptgrund für das vorliegende Resultat. Wenn man dies anerkennt – und wir müssen dies endlich anerkennen! – dann ist das vorliegende Resultat nicht sehr sondern maximal leicht enttäuschend. Von der Papierform her stehen wir irgendwo zwischen Rang 9 und 12. Nicht der Coach, nicht die Taktik, nicht die Spielerauswahl, nicht die Headcoach-Entourage und nicht die vermeintlichen Versager aus der NHL sind für den 11. Rang hauptverantwortlich sondern das Gesamtniveau unserer Spieler ist der Hauptgrund für diese Platzierung. Unsere Spieler haben nicht versagt, sie sind nicht viel besser, falls überhaupt.

Respektlosigkeit, resp. Unterschätzung unserer direkten Gegner:
Wie gesagt, in den Vorschauen war es für uns klar, dass wir zu den Top8 gehören sollten. Dies basiert auf einer Ueberschätzung unserer Qualitäten resp. Geringschätzung aufrund von Unkenntnis der Qualitäten anderer Nationen. Ich hörte und las von Pflichtsiegen und dass wir in gewissen Spielen haushohe Favoriten seien. Stellvertretend auch für andere, hier die nüchterne Analyse auf dem Papier zweier Nationen die wir gemäss schweizerischer Einschätzung klar besiegen müssten. Erstes Beispiel Norwegen: Norwegen hat 15 Spieler im Kader die in Topligen spielen, davon einige mit NHL-Erfahrung oder die kurz vor dem Sprung in die NHL stehen. Hinzu kommt mit Thoresen einer der Topskorer aus der KHL. Wenn man dieses Kader mit dem unsrigen vergleicht, dann kommen neutrale Beobachter zum  Schluss, dass die Norweger leichte Favoriten sind gegen uns. Sie haben auf dem Papier das leicht bessere Kader. Beispiel Frankreich: Die Franzosen hatten 9-10 Spieler aus Top-Ligen am Start und einige davon mit NHL-Erfahrung. Zudem könnte es durchaus sein, dass wir selbst den einen oder anderen Franzosen unterschätzen der in der französischen Liga spielt. Wenn neutrale Beobachter die beiden Kaderlisten konsultieren kommen sie zum Schluss, dass die Schweiz nur leichter Favorit ist gegen Frankreich. In unserem Land orte ich die Tendenz zu gefährlicher Selbstüberschätzung. Wenn ich die Kaderlisten der anderen „kleinen“ Nationen anschaue so komme ich mit Ausnahme bei Kasachstan und Italien auf ähnliche Beurteilungen... und aufgepasst: Selbst Oesterreich ist – wenn sie mit allen Spielern aus NA antreten könnten – nur unwesentlich schwächer besetzt als wir. Dies ist die Realität und dieser Wahrheit müssen wir in die Augen schauen.

Irreführendes NHL-„Bashing“:
Aus verschiedenen Quellen hört und liest man immer wieder und immer lauter, dass die NHL-Spieler überschätzt werden. „Chilbi-Resultate“ wie z.B. am Spengler-Cup oder in Showkämpfen gegen NHL-Teams und die vorerwähnte unrealistische Erwartungshaltung an unsere Schweizer NHL-Spieler dienen hierfür als Beispiele und Argumente. Dies ist sehr gefährlich. Die einzige Liga die bei uns überschätzt wird ist die eigene. Uns fehlt die Demut und der Respekt vor der nordamerikanischen Eishockeykultur. Es gibt auch Stimmen die besagen, dass es für junge Spieler besser sei, hier zu bleiben und nicht nach Nordamerika zu gehen weil die Spieler hier besser ausgebildet werden. Dies sagen Vertreter aus einem Land das bisher kaum Spieler produziert hat die den direkten Sprung von unserer Junioren- oder Profiliga in die NHL geschafft haben. Alle unsere NHL-Spieler (Streit, Niederreiter, Gerber, Aebischer, Josi, Niederreiter, Sbisa, Bärtschi, Weber) haben Zwischenstationen in Nordamerika oder Skandinavien nehmen müssen, um das grosse Ziel zu erreichen. Nur Goalie Hiller bestätigt bisher als einzige Ausnahme diese Regel. In der Schweiz wird man bis jetzt noch nicht zum Weltklassespieler ausgebildet, dies ist eine irritierende Selbstüberschätzung. Es braucht immer noch eine Zusatzausbildung in einer der grossen Hockeynationen. Die Ausbildung in Schweden und neuerdings auch Finnland ist im Durchschnitt besser als bei uns (spiel- und lauftechnische Grundausbildung) und dasselbe gilt für Nordamerika (schusstechnische Ausbildung und offensive Spielintelligenz). Selbstverständlich muss man bei dieser Aussage auch differenzieren. Nicht alle Adressen in Schweden, Finnland und Nordamerika sind gute Adressen für junge Spieler, man muss sich diese potenziellen Plätze sehr sorgfältig aussuchen. Wir in der Schweiz sind gut und haben viel erreicht, dies steht nicht zur Diskussion, aber wir sind offensichtlich noch nicht gut genug für regelmässige Viertelfinalplätze und schon gar nicht gut genug für Medaillen. Nicht einmal eine einzige Ausnahme - auf Profi- wie auch auf U20- oder U18-Stufe - bestätigt bisher diese Medaillen-Regel obwohl es hierzu jedes Jahr drei Chancen gibt! Die NHL zu verhöhnen ist der falsche Weg. Wir müssen demütig bleiben, akribisch und von den weltbesten Technikern lernen, keine grossen Töne spucken und dann... irgendwann... zuschlagen!

Zurück zur NHL und wieso sie eben nicht überschätzt wird:
Ich untermaure diese These mit folgenden Facts: Obwohl nur 19% aller Spieler an dieser WM aus der NHL sind werden die Statistiken mehrheitlich von NHL-Spielern dominiert (80% der Top10-Skorer sind NHL-Spieler! 60% der Scorerpunkte in den Viertelfinals wurden von NHL-Spielern gebucht! Wenn man die Face-Off- und die Plus/Minus-Statistik anschaut kommt man auf ähnliche Werte). Weil Statistiken aus derart wenigen Spielen wie an einer WM wenig hergeben und in gewissen Medien masslos überinterpretiert werden, schauen wir auf die subjektive Beobachtung der Qualitäten der Mehrheit der NHL-Spieler. Dabei müssen wir feststellen, dass diese in aller Regel stabiler auf den Schlittschuhen stehen, besser schiessen, härter und genauer passen und für die Scheibenkontrolle und Schussabgabe Bruchteile von Sekunden weniger Zeit benötigen als der Durchschnitt unserer Spieler. Es ist erstaunlich, dass diese Beobachtungen in vielen Analysen kaum thematisiert werden. Irritierend ist auch, dass das „NHL-Bashing“ mit der Schweiz aus einem Land kommt das rein gar keinen Grund hat, mit dem Finger auf die NHL zu zeigen. Dies hätten vielleicht am ehesten die Schweden oder Finnen, bei denen wird die NHL aber als das respektiert und geschätzt was sie ist: Die beste Liga der Welt mit den grossmehrheitlich besten Spielern der Welt. Mein diesbezügliches Fazit: Die NHL wird in unserem Land vielerorts unterschätzt und nicht überschätzt.

Defizite:
Die diskutierten vermeintlichen Defizite im Coachingstaff, bei der Taktik, der Spielerauswahl und beim Spielereinsatz sind meiner Meinung nach im „Big Picture“ unbedeutend und vernachlässigbar. Zudem befinden wir uns diesbezüglich vor allem auf dem Pfad der persönlichen Subjektivität, können unsere Meinungen nicht mit Fakten unterlegen und vor allem auch gegenteilige Meinungen nicht mit Fakten widerlegen. Hand aufs Herz: Hat Sean Simpson klar bessere Spieler zu Hause gelassen? Nein. War es falsch, unseren besten Spielern mehr Eiszeit zu geben als den anderen? Nein. War die Taktik die falsche? Vielleicht… das werden wir nie wissen weil wir den Erfolg mit einer anderen Taktik nicht beweisen können und ich glaube: Nur mit dieser Taktik und Spielanalage machen wir unsere Spieler langfristig etwas besser. Nun zu den wahren Defiziten: Schussqualität, Scheibenkontrolle, stocktechnische Skills, Passtiming-  und genauigkeit, teilweise Skating. Alles Dinge die einen Mangel in der Grundausbildung erahnen lassen. Dieser Mangel ist allerdings nur im Vergleich mit den besten Teams der Welt erkennbar und somit Kritik auf hohem Niveau. Aber zu den besten Teams der Welt, dort wollen wir doch hin, oder nicht? Die Ausrede der körperlichen Unterlegenheit gilt nicht mehr. Die Finnen und die US-Amerikaner waren im Schnitt kleiner und leichter als unsere Jungs. Auch Unerfahrenheit kann nicht als Argument verwendet werden. Unsere Truppe war im Vergleich zu den Kanadiern, Schweden und US-Amerikanern deutlich erfahrener, resp. älter. 

Müdigkeit:
Ich habe gelesen und gehört, dass unsere Spieler durch das Spielsystem am Ende zu müde gewesen seien, unser Spielsystem sei zu aufwändig, als dass es turniertauglich sei. Auch der Coach hat sich über den Spielplan beschwert und dass er dies getan hat ist meine einzige Kritik am Coach. Es stimmt, dass unsere Spieler gegen Ende der Spiele und gegen Ende des Turniers müde und fehleranfällig waren. Dies liegt aber nicht am Spielsystem, nicht am Spielplan (der ist ja für alle ungefähr gleich) und nicht an mangelnder Fitness sondern ganz einfach in der – im Weltklassevergleich – mangelnden Klasse. Wir müssen anerkennen, dass wir gegen die Grossen nur dann mithalten können wenn wir mehr Laufen als der Gegner und die mangelnde Klasse durch aufwändige Zusatzefforts im Spiel mit und ohne Scheibe kompensieren können. Dies gelingt am Anfang eines Spiels und eines Turniers – wenn die Batterien noch voll sind – viel besser als am Schluss und hat somit seine Logik. Am Anfang eines Turniers sehen wir in der Regel auch am ehesten Ueberraschungen und gegen Ende gibt es am ehesten die Kanterniederlagen der Aussenseiter. Exakt darum, weil die Unterlegenen die Kraft nicht mehr haben, die mangelnde Klasse mit Zusatzefforts zu kompensieren.  Unkonzentriertheiten und individuelle Fehler sind sehr oft eine logische Folge der Müdigkeit und nicht „Aergernisse die man Abstellen muss“; dies lässt sich schnell und einfach sagen aber leider nicht so einfach umsetzen.

Chancenauswertung, Kaltblütigkeit:
Mangelnde Kaltblütigkeit ist nicht das Problem und wir lassen auch nicht mehr Chancen aus als andere. Denn vieles was für uns Schweizer Zuschauer bei unseren Spielern als Chance beurteilt wird – und es bei den Schweden, Kanadiern, US-Amerikanern, Finnen und Russen auch wäre – ist es bei unseren Spielern nur bedingt. Auch hier ist die mangelnde Klasse für die mangelnde Torproduktion hauptverantwortlich. Nur Weltklassespieler können wenn sie aus dem Gleichgewicht geraten zu einem kernigen Schuss ansetzen und die Scheibe in Extremis backhand über den Goalieschoner heben. Weltklassespieler schiessen härter und ansatzloser als unsere Spieler und kontrollieren die Scheibe besser, benötigen Bruchteile von Sekunden weniger Zeit, um die Scheibe schussgerecht zu präparieren.

Coaches, Taktik:
Unser Coachingstaff hat es bis jetzt nicht geschafft, uns Resultate zu schenken die über dem normalen Leistungsvermögen liegen. Falls man dies vom Coachingstaff erwartet, dann haben sie die Ziele nicht erreicht. Vielleicht muss man aber – wie bereits vorgängig erwähnt – die eigene Erwartungshaltung hinterfragen. Für mich haben die Coaches nicht versagt. Ich schätze sogar die offensive, attraktive Spielanlage weil ich zu wissen glaube, dass man langfristig nur so unsere Spieler weiter nach vorne entwickeln kann. Die 1 Mio CHF die uns eine Entlassung von Sean Simpson kosten würde sollte man besser in die Nachwuchsförderung investieren und zwar betreffend der Anstellung des einen oder anderen Weltklasseausbildners und die Ermöglichung der Teilnahme von hochkarätigen internationalen Juniorenturnieren auch in Nordamerika. Sean Simpson auszuwechseln bringt nichts weil er erstens ein guter Coach ist und zweitens diese spektakuläre Massnahme am eigentlichen Grundproblem – dem Fehlen von Weltklassespielern – vorbeizielen würde.

Stagnation:
Unser Eishockey ist in den letzten 5 Jahren substanziell nicht wirklich besser geworden. Wir stagnieren nach wie vor mit ganz aktuell sogar leichter Tendenz nach hinten. Ja, wir haben heute gegenüber früher einige NHL-Spieler, dies ist ein kleiner Fortschritt, aber leider nur ein kleiner denn keiner dieser NHL-Spieler ist ein Star und zudem ist es heute – dank der KHL, die einige potenzielle NHL-Spieler aufsaugt und somit Türen für NHL-Spieler öffnet die ohne KHL nicht offen wären – einfacher, in die NHL zu kommen als noch vor der Zeit der KHL. In der KHL, der zweitbesten Liga der Welt,  haben wir im Gegensatz zu den Schweden, Finnen, Tschechen, Slovaken, Norwegern, Deutschen, keinen einzigen Spieler!

Zusammenfassendes Fazit:
Wenn wir besser werden und uns stabil in den Top8 etablieren wollen dann führt kein Weg daran vorbei, unsere Spieler besser zu machen, bessere Spieler auszubilden. Der mit Abstand wichtigste Grund für den 11. Platz ist die Qualität unserer Spieler und nicht der gute oder schlechte Coach, nicht der nutzlose oder nützliche Andy Murray, nicht die Assistenz- oder Videocoaches, nicht die Eiszeit von Müller oder Meier und nicht die Nomination oder Nichtnomination von Hintz oder Kunz und schon gar nicht die Taktik die ich persönlich sehr begrüsse. Wir müssen diese Spielanlage bis hinunter auf alle Juniorenauswahlteams durchsetzen, auch mit dem Wissen, dass wir dadurch kurzfristig resultatmässig einen Schritt zurück machen könnten.  Dieser Schritt ist notwendig, um mittelfristig zwei Schritte nach vorne zu kommen und diese zwei Schritte sind dann der 8. Platz und mitunter mal ein Sieg in einem für beide Mannschaften wichtigen Spiel gegen eine grosse Nation.

Stallikon, 18. Mai 2012 / Thomas Roost                                                                       CHHockeyAnalyseMai12.doc

Saturday, April 28, 2012

Wolken am Schweizer Eishockeyhimmel


Wetterprognosen gehören zu den meist beachteten Beiträgen in den Medien und darum wissen wir alle, dass es Schönwetter- und Schlechtwetterwolken gibt. Transferiert man die aktuelle Schweizer Eishockeygrosswetterlage auf herkömmliche Wetterprognostiker so würde das in etwa so tönen:

Die Muotathaler Wetterfrösche:
Es schaut gut aus, wir orten prächtiges Wetter am Schweizer Eishockeyhorizont! Die Oberschenkel unserer Eishockeycracks sind so stramm wie noch nie! Zuschauerrekord in der Liga und in der Finalserie! Weitere ermutigende Muotathaler Beobachtungen:  Schweden wurde  in offiziellen Länderspielen zweimal bezwungen, die U18 hat an der WM gegen Tschechien  gewonnen und die Playoffspiele waren von einer unheimlichen Intensität und taktisch/strategisch schlicht und einfach Weltklasse, Eishockeyschach. Wir waren Zeugen des besten Playoff-Finals aller Zeiten.  In der NHL spielen so viele Schweizer wie noch nie und Sven Bärtschi gilt als grösstes Talent in der gesamten Organisation der Calgary Flames!

SF Meteo:
Aprilwetter ist angesagt. Wir haben von allem etwas und dies in schnell wechselnder Reihenfolge. Zürich - gemäss internationaler Umfrage nach Wien die zweitbeste Stadt der Welt - trifft im Finale auf die Schweizer Hauptstadt, eine bessere Affiche ist undenkbar. Das Finale war Spannung pur, über das spielerische Niveau wollen wir jetzt nicht sprechen und wenn wir nicht über die Landesgrenzen hinausschauen so fällt dies auch kaum auf, so ganz nach dem Motto: Der Tod jeden Glücks ist der Vergleich. Unsere Juniorennationalteams halten sich seit Jahren stabil in der A-Gruppe und in lichten Momenten fordern wir sogar die Top-Nationen. Fairerweise müssen wir konstatieren, dass wir jetzt auf U18-Stufe zweimal hintereinander gegen Deutschland verloren haben. Unsere Jungs drängen nach Nordamerika und neu versuchen sie sich sogar in Schweden. Noch nie hatten wir so viele Söldner im Ausland. Ja, es ist korrekt, die wenigsten davon spielen in ihren Teams eine Hauptrolle, aber ein Anfang ist gemacht. Unser Juniorenprogramm ist stabil, am meisten profitiert die NLB, deren Niveau durch den Einfluss vieler junger Spieler in den letzten Jahren merklich gestiegen ist.  Wo sind die Top-Shots, die absoluten Weltklassespieler? Das ist für eine kleine Nation wie die Schweiz zu viel verlangt, wir müssen zufrieden sein mit dem was wir haben. Sie sehen: Aufhellungen wechseln ab mit Schauern und Gewittern, Wind und Kälte mit sanftem Sonnenschein. Wir sind doch zufrieden, oder nicht?

Die Meteo-Centrale von Jörg Kachelmann meldet:
Unwetterwarnung! Der Zuschauerrekord täuscht, substanziell verlieren wir Zuschauer, die Zahlen beim SCB und dem ZSC, den grössten Zuschauermagneten, zeigen leicht aber kontinuierlich nach unten. Nur neue Stadien halten diesen Trend kurzfristig auf, in Rapperswil ist diese Vitamintablette aber bereits verpufft und in Zug wird es in zwei bis drei Jahren vermutlich nicht anders sein. Alarmierend die Zuschauerzahlen bei den meisten Tessiner-Derbies. Die aktuellen Playoffs werden diese Negativtendenz nur noch verstärken denn nicht Wenige werden sich überlegen, für normale Spiele Eintritt zu bezahlen wenn doch die diesjährigen Playoff vermeintlich zeigen, dass die Regular-Season mehr oder weniger bedeutungslos ist.  Zudem hat die diesjährige Playoff-Finalserie spielerisch enttäuscht. Die U18 ist nun zum zweiten Mal hintereinander um ein Haar abgestiegen und wurde zweimal (2011 und 2012) von den Deutschen vorgeführt, ja gedemütigt. Nach zwei Schweizer Spielen wurde der Schweizer NHL-Scout  von seinem Chef zu anderen Spielen abkommandiert denn es gab bei den Schweizern aus NHL-Sicht schlicht nichts zu sehen. Nein, leider rein gar nichts! In einer professionellen Umfrage bei nordamerikanischen Hockeyexperten wurden in den NHL-Franchises die besten 300 Junioren gesucht und bewertet. Mit Sven Bärtschi ist nur ein einziger Schweizer in diesen Top300! Im Vergleich: Deutschland stellt sechs Spieler, die Slovaken immerhin noch drei und selbst die Dänen zwei. Die Anzeichen stehen auf Sturm und speziell im Kt. Graubünden ist mit Ueberschwemmungen und Verwüstungen zu rechnen. Wenn wir die U16, U15 und U14 analysieren müssen wir feststellen, dass in der einstigen Eishockeyhochburg Graubünden kaum mehr Spieler produziert werden.

Einfache, zufriedene Menschen – die immer wissen was richtig und falsch ist – erfreuen sich am Charisma und der naturalen Urkraft der Muotathaler Wetterschmöcker.  Otto Normalverbraucher des Eishockeys verlassen sich auf die diplomatische, belanglose und ausgewogene Prognose des Thomas Bucheli von SF Meteo.  Die Vorantreiber, die Bessermacher und Medaillenträumer nehmen die mit viel Pathos gewürzte angekündigte Schlechtwetterfrontprognose ernst. Sie müssen sie ernst nehmen! Ein Hagelsturm ist nicht auszuschliessen und dagegen helfen nur Raketen. Haben wir die oder sind wir wenigstens gewillt, solche zu bauen?

Soll sich jeder die Wetterprognose aussuchen die für ihn passt und ihn glücklich macht.

Einen sonnigen Sommer wünsche ich allerseits!


Thomas Roost, Central Scouting Europe, NHL                 Stallikon, 27. April 2012 

Sunday, March 11, 2012

Playoff-Analysen und andere Geschichten aus dem Schweizer Eishockeyjahr 2020

Der HC Davos, der in der Regular-Season die ZSC Lions 7 x hintereinander besiegte, verliert mit RvA an der Bande gegen die ZSC Lions in der Viertelfinalserie sang- und klanglos mit 1:4. Pressestimmen: „Mit einem Coach wie dem legendären AdC wäre so was nie möglich gewesen, mit ihm hätte die Mannschaft auf den Punkt genau ihre Bestform abgerufen“.

Der HC Genève-Servette, mittlerweile gecoacht von Mike Keenan, scheitert in der ersten Runde der Playout-Serie gegen die Rapperswil Jona Lakers (an der Bande und im Büro geführt vom Hotelier Giusep Fry) knapp im siebten entscheidenden Spiel. Die Experten sind sich einig: „Das ohne Bewilligung kurzfristig vergrösserte Tor der Genfer ist nicht verantwortlich für die Niederlage gegen ein Team mit einem Coach ohne Trainerschein. Mit Chris McSorley wären die Genfer nie in eine solche Situation geraten und Chris hätte ganz bestimmt in einem entscheidenden Spiel mit seinen Tricks die Genfer zum Sieg gecoacht.“ Der SEHV reagiert genüsslich auf diese Genfer Pleite: „Mike Keenan hat keinen gültigen Trainerschein für die Schweiz, sein Scheitern war absehbar.“

Kevin Schläpfer hat die ZSC Lions vom unglücklichen Ron Wilson übernommen der von Sami El Assaoui vergeblich die krachenden Hits eines Dion Phaneuf und von Cyril Bühler den Speed von Phil Kessel gefordert hat. Endgültig gescheitert ist Ron Wilson nachdem er nach einer Medienkritik mit Arroganz auf seine Stanley-Cup-Ringe verwies bis ein findiger Fan in einem Forum beweisen konnte, dass er gar keine hat... Walter Frey hat Ron Wilson darauf hin wegen unethischem Verhalten sofort beurlaubt „bei der Anstellung hat er uns verschwiegen, dass er keine Stanley-Cup-Ringe hat, dies ist nach unserer Gesetzgebung ein Grund für eine fristlose Kündigung“.  Der Erfolg hat sich bei Kevin Schläpfer sofort eingestellt wie der überraschende Playoff-Erfolg über den HCD beweist. Er führt dies darauf zurück, dass er in Zürich medizinisch hervorragend betreut wird. Teamarzt Gerry Büsser schliesst ihn prophylaktisch vor jedem Spiel an einen Defibrilator an der nach jeder umstrittenen Szenen sofort aktiviert wird und blutdrucksenkende Mittel tun das Uebrige. Kevin Schläpfer muss aber in der Folge ohne seinen Assistenten Dino Stecher auskommen der von AdC niedergestreckt wurde nachdem ihn Dino Stecher in einem Interview als Favorit beim Malanser-Pokerturnier bezeichnet hatte.

Martin Steinegger kämpft in Biel im achten Amtsjahr als Sportdirektor noch immer ums Ueberleben des EHC und dies obwohl das Stadion seit 2013 in jedem Spiel restlos ausverkauft ist. Die Baubehörden haben aus sicherheitstechnischen Gründen die Stadionkapazität auf 1500 reduziert. Um Kosten zu sparen ist „Stoney“ nach dem Abgang von Kevin Schläpfer im Jahr 2014 zu den Huttwil Helvetics, in Personalunion Headcoach, Sportchef, Mentaltrainer und Mädchen für alles. Inzwischen haben die Bieler Verantwortlichen mit den Entscheidungsträgern der Zürcher Fussballclubs GC und FCZ zusammengespannt und zusammen mit dem Stararchitekten Peter Zumthor ein Triplex-Stadion (Fussball, Eishockey und Fliegenfischen) in Egerkingen geplant. Der positive Volksentscheid der Egerkinger Bevölkerung für dieses Projekt liegt erst 4 Jahre zurück (21 Ja- und 9 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen, Stimmbeteiligung 0.12%) und bis zur Erledigung sämtlicher Einsprachen – davon eine sehr ernst zu nehmende Lärm-belästigungsklage aus dem süddeutschen Raum - und der Wirtschaftlichkeitsprüfung für die Mantelnutzung wird mit maximal weiteren 6 Jahren gerechnet. Endlich etwas Optimismus beim FCZ, GC und dem EHC Biel.  

Der HC Lugano verliert trotz Sidney Crosby und den reaktivierten Vladimir Krutov, Igor Larionov und Sergei Makarov,  gegen Gottéron in sieben Spielen. Für Crosby ist es die ideale Liga, um seine Karriere zu verlängern weil er hier nie gecheckt wird, wie er sagt. Crosby erzielte in 4 Saisonspielen 23 Skorerpunkte, für den Rest der Saison hatte er mit unerklärlichen Kopfschmerzen zu kämpfen die immer dann besonders stark aufgetreten sind wenn in Lugano die Temperatur über 20 oder unter 15 Grad gesunken ist. Sportdirektor Otto Rehagel - der im Sommer John Sletvoll verpflichtete - erklärt die „Causa Crosby“ zur Chefsache: „Wir müssen bei Crosby die Temperatur-Toleranzgrenze um mindestens 4 Grad erweitern, dann werden wir Meister.“

Nach dem 14. Halbfinalout in Folge orten die Verantwortlichen beim EV Zug das Uebel im mangelnden Temperament der Headcoaches Doug Shedden (1. Mannschaft) und Leo Schumacher (Junioren). CEO Patrick Lengwiler im Originalton: „Wir wollen Meister werden und müssen darum noch eine Schippe drauflegen, Warmduscher wie Doug und Leo fahren ganz einfach zu wenig ein. Ich habe darum Hans Zach als Berater und Motivator verpflichtet“.

Die Langnau Tigers verloren in der Playoutserie gegen Andermatt-Piotta deutlich in fünf Spielen. Seit die Hardcore-Leventiner-Anarcho-Fans die leer stehenden Hotelsuiten in Andermatt besetzt halten fliesst wieder ägyptisches Geld auf die andere Seite des Gotthards und das Ausländerduo Sean Avery/Niklas Kronwall terrorisiert die gegnerischen Reihen. Der Namenswechsel auf Andermatt-Piotta bringt dem finanziell gebeutelten Tessiner Traditionsclub Jahr für Jahr 4 Mio ein. Diese 4 Mio sind nötig, um das strukturelle Defizit zu 50% ausgleichen zu können.

Das Langnau-Trainerduo Jan Von Arx/Bernard Rappaz beschwerte sich hingegen über eine zu gleichgültige und eine auf zu viele Wolken gebaute Einstellung ihrer Mannschaft. Auf  Anraten des Lokaljournalisten Klaus Zaugg werden die Tigers neuerdings vom Mentaltrainer AdC unterstützt der jeweils während den Tiger-Spielen per Skype live aus seiner Poker-Homebase im Zürcher Kreis 4 zugeschaltet wird und per Klopfzeichen den perfekten Zeitpunkt für ein Timeout bestimmt.

Der SC Bern kippte die Kloten Flyers erneut aus den Playoff und dies obwohl die Ausländer zum zehnten Mal in Folge von einer Gratiszeitung als die schlechtesten der Liga beurteilt wurden. Interessant nur, dass der SCB seit drei Jahren ohne Ausländer spielt und dies exakt seit VRP Marc Lüthi seinem Verwaltungsratsdelegierten Adrian Amstutz alle Kompetenzen bei der Spielerdisziplinierung übertragen hat. Zwei Monate nach dem Amtsantritt von Adrian Amstutz waren alle Ausländer ausgeschafft. Daniel Brière hat es nach einer Promillekontrolle erwischt (0.6), Dany Heatley wurde eine Parkbusse zum Verhängnis - sein Ferrari war zu breit, so dass ein Rad mit 2 cm über den weissen Begrenzungsstreifen hinausragte - Rich Peverly hat ohne Bewilligung in der Aare geangelt und Zdeno Chara wurde wegen Sachbeschädigung verurteilt weil er mit einem seiner Schüsse eine Plexiglasscheibe zertrümmert hat. Trainer des SCB ist übrigens Kent Ruhnke dessen Vertrag sich immer automatisch um ein Jahr verlängert wenn er das jeweils 13. Saisonspiel gewinnt, allerdings nur, wenn bei diesem Sieg immer mindestens 13 Tore fallen.

Die Kloten Flyers sind hingegen schon wieder gescheitert obwohl sie das Budget mittlerweile auf 30 Mio hochgeschraubt haben: Philippe Bruggisser, der neue Präsident der Flyers und mittlerweile rehabilitierte Wirtschaftskapitän, erklärt dies so: „Ob wir bei 15 Mio oder 30 Mio die Spielerlöhne nicht bezahlen können macht keinen Unterschied. Zudem haben wir mit den Akquisitionen von Traktor Bäretswil, des HC Ceresio und des SCUI ein grossartiges Fundament für spätere wirtschaftliche Prosperität gelegt. Die jährliche Spielerpräsentation findet fortan im Hotel Viktoria Jungfrau statt.“

Zum Schluss noch ein ernst gemeintes Statement eines der erfolgreichsten Sport-GMs aller Zeiten, Billy Bean, GM der Oakland A's: „Die Aufgabe der GMs ist es, ein Team zusammenzustellen das die Play-Offs erreicht. Die Play-Offs selbst sind vor allem vom Glück abhängig.“ Dies mein persönlicher Kommentar zu den immer wiederkehrenden endlosen Analysen der Nachkriegsgeneräle über die vermeintlichen Playoff-Helden und –Versager.

Stallikon, 11. März 2012 / Thomas Roost                         PlayoffAnalysenGeschichten2020.doc


Saturday, March 3, 2012

Statistikwüste Eishockeyschweiz


Ich sitze hier in der Schweiz und verfolge unsere heimischen Ligen live vor Ort mit unzähligen Spielbesuchen... und doch weiss ich viel mehr über die NHL- als über die Schweizer Spieler. Wer hat die besten Werte im Bullykreis? Wer die meisten Puckeroberungen und Puckverluste? Wer blockt am meisten Schüsse und wer am wenigsten. Wie viele Minuten Eiszeit bei Gleichstand benötigt ein Spieler im Durchschnitt um einen Scorerpunkt zu erzielen und wie viele Minuten benötigt er im Durchschnitt im Powerplay? Wie viele Scheibenkontakte hat ein Spieler im Durchschnitt pro 10 Minuten Eiszeit? Wer checkt am meisten und wer am wenigsten? Welche Spieler haben im Durchschnitt die meiste und welche die wenigste Eiszeit? Wer blockt am meisten Schüsse und welche Spieler stehen in der Sparte zuoberst wenn es darum geht, Gegentore zu verhindern. Aus welchen Positionen und mit welcher Art von Schüssen sind welche Spieler erfolgreich und welche Goalies verwundbar?

Wenn man sich für die NHL interessiert muss man sich die Urteile über Spieler nicht nur aus den Fingern saugen und/oder von Journalisten aufschwatzen lassen denn es finden sich in verschiedenen Publikationen Antworten auf exakt die vorerwähnten Fragen. Jeder kann sachlich über die Vorzüge und Nachteile von Spielern diskutieren, Polemik ist viel schwieriger zu platzieren weil sie leicht durchschaut und somit entkräftet werden kann. Nicht so bei uns. Unsere Urteile über Spieler basieren auf der nur zu ca. 90% korrekten Torschützenstatistik, der vielleicht zu 70% korrekten Assiststatistik und der Rest ist dunkle Nacht und nur rein subjektiv beurteilbar. Eine grosse Portion unseres „Hockeywissens“ ist nicht mehr als lächerlicher Humbug. Für viele Beobachter ist dies sehr ärgerlich weil sie glauben, sehr viel dieses Humbugs erahnen zu können, letztlich fehlen aber die statistischen Grundlagen um unseren Eishockey-Jahrmarkt von stimmungsmachenden Gauklern und Bauernfängern nachweislich zu entlarven.

Fehlende Statistiken sind auch ein Nährboden für exzellente Scouts die ja so viel mehr sehen und wissen als „normale“ Eishockeykonsumenten... könnte man meinen. Das Gegenteil ist der Fall: Viele Scouts überschätzen ihre Beobachtungsfähigkeiten und unterschätzen die Aussagekraft von detaillierten, professionell nachgeführten Statistiken. Intelligent aufgebaute Statistiken mit genügend Zahlenmaterial als Fundament führen zu 80% zu einer korrekten Spielerbeurteilung, die subjektive Beurteilung rundet das Bild mit lediglich ca. 20% ab. In diesem Zusammenhang empfehle ich das Buch „Moneyball“ von Michael Lewis. Es geht zwar in diesem Buch um Baseball aber mindestens indirekt ist es auch fürs Eishockey ein Fundus erster Güte.
 
Wir sind leider weltweit das einzige Eishockeyland mit einer Statistik- und Analysewüste. Nicht nur die NHL sondern auch die Minor- und Juniorenligen wie auch andere europäische Ligen sind uns diesbezüglich um Lichtjahre voraus. Vordergründig ist dies unbedeutend und aus der Vogelperspektive bleibt dies auch so; ob wir Spieler und Entscheidungsträger im Eishockey sachlich korrekt beurteilen ist für die Menschheit ziemlich unerheblich…

Nicht unerheblich ist es, wenn wir die Hockeyschweiz weiter professionalisieren wollen. Wir müssen dazu stehen: Wir wissen nichts über unsere Spieler, das Urteil aufgrund von simplen – und oft falschen – Zahlen zu Toren und Assists ist derart einfältig, dass in Diskussionen die wahren Experten von Warmluftproduzenten kaum unterschieden werden können. Kein Zufall darum, dass in der Schweizer Hockeyszene vor allem Verkäufer ihrer selbst als Helden portiert werden, was ich ihnen zwar gönnen mag aber nicht dazu führt, dass unser Hockey besser wird.

Wir lassen uns zu stark von teils skurrilen Meinungsmachern und vom Mob an der Nase herum führen wenn es darum geht, die Helden und die Deppen in unserer Liga zu bestimmen. Mit detailliertem statistischen Material können wir Diskussionen über unser Eishockey versachlichen und somit voranbringen. Hierzu gehört aber auch eine mentale Oeffnung. Nicht selten treffe ich auf eine Mauer des Schweigens und/oder offenes und latentes Misstrauen wenn ich versuche, nach verlässlichen Daten zu recherchieren. Welch ein mentaler Unterschied zur nordamerikanischen Hockeykultur in der von Detailstatistiken bis zu den Spielersalären alles offen gelegt wird. Vermutlich kommt uns dabei unsere Bunker- und Bankgeheimnismentalität in die Quere.

Ich möchte mit Fakten und echten Argumenten darüber diskutieren können wer denn die Besten sind im Schweizer Hockeyland und bin überzeugt, dass die Implementierung einer professionellen Statistikkultur im Schweizer Eishockey hervorragend investiertes Geld ist. Die vordergründig zusätzlichen Kosten werden durch die Vermeidung des einen oder anderen Fehltransfers mehr als kompensiert. Diese Einsicht muss reifen.

Stallikon, 3. März 2012 / Thomas Roost                                  

Saturday, October 22, 2011

How good is the NHL?


After the great victory of the EVZug in the show act vs the New York Rangers, the debate on the strength of our league, respectively the strength of the NHL, fueled again. Some published opinions expressed in the Swiss media are in my view, though well-written, reader-friendly and entertaining, but not even close to the truth. When I read about outclassing an NHL team, when I read that the NHL players were much too slow and when I read that our players are stickhandling- and skating-wise  better than the NHLers, when I read that 66% of NHL-players wouldn’t be good enough for supporting the teams in our league... common... all this asks for a down to earth response. This opinion-forming articles are very dangerous for the development of the Swiss ice hockey, they are the gravediggers in terms of our goal to move closer to the top of the world.

First of all:
The NHL is the best league in the world, the best players in the world play in the NHL, the arenas, franchise organizations, marketing, the referees, statistics..., just to name a few things: All this is pure and simple „state of the art“ and much more professional than in our league. Every player and every official who was ever in an NHL team under contract will confirm this.

Why is this so?
Let's stay with the players: Each year the world's most watched 18-year-old talents are getting scouted by around 500 scouts at every conceivable opportunity. At the end of the year there is a draft and the rights of the supposed to be best 210 players in this age-group will go to an NHL team. The same goes for older players who are still not drafted, they are also regularly observed and, if they are good enough, they will get a contract-offer. Of course there are always exceptions: Good, undrafted talents sometimes later show that the decision-makers were wrong on draft-day. Good older players with some sort of NHL level and still no NHL-contract, also this happens. But these are exceptions. The network of scouts is very fine mesh. All drafted players under contract do get a repeated fair chance to show that they deserve to be on the NHL-team. No NHL team allows to prefer a worse player compared to a better player; related conspiracy theories and adventurous reasons why this player is on the team and not the other one belong to the realm of fairy tales. The better player plays. Because the "bad" and "better" can only be judged subjectively, one will also always find at this level some errors, but these errors are again the exception, not the rule. The NHL pays the best salaries, offering the most professional environments and has the highest prestige. For this reason there are just few players who turn down appropriate contract-offers (except about a dozen players in the KHL) plus single cases. All this means that one can say with complete justification and must admit that in the NHL we have the best players in the world. However there still are some obscure observers of the sports scene with quite romantic and glorified views in terms of the better and worse.

Let’s explain it this way:
A hockey game is a fair competition. For both teams exactly the same rules apply, ie both have exactly the same "weapons" (skates, stick and equipment) and also in our Swiss league the players are professionals. Our professionals train just as much as an NHL pro. That’s why: The performance differences are – actually they must be – for outsiders and some fans not so much noticeable. Also, there are players in our league where I think they could compete in this or that respect in the NHL. There are not many players on this planet faster than Peter Guggisberg or Fabian Schnyder, but ... now I build the bridge to my argument ... in our top-league there are just very few players faster than the second-league-player Philip Wüst ... and yet he plays in the NLB and not in the NLA and for some reason Guggisberg and Schnyder play in the NLA and not in the NHL...

The show-act win of Zug vs the Rangers is not so surprising if you take into consideration that in the Swiss pre-season a lot of 2nd-league teams did beat 1st-league teams. Surprisingly – but wisely - nobody did question by then that our 2nd-league is as good or better than our 1st-league... The reader can believe me that I watch at all levels - year in year out - NHL, AHL, NLA, international games, youth games, 2nd-league games and even 3rd-league games) I ususally do notice that the level is respectable, that the differences are not so great between the leagues. Also in the 2nd and 3rd-league there are players who can skate and who can shoot and pass the puck more or less. When you watch closer there are of course reasons why someone plays in the third league and not in the first, of course there are reasons why someone is playing in the  Swiss NLA and not in the NHL. The differences are fine (eg, positional play, body tension, shot- and passing- quality, physics, puckcontrol, balance,) but for experts these differencies are clearly recognizable. The differences are not 0 to 10, but rather like NLA 7 out of 10 and NHL 8-9 out of 10 and – once again - this is logical, if the differences would be bigger we would have to ask harsh questions to our hockey-development-staff about what they do in practice.

Conclusion:
There were and still are very romantic ideas about the NHL, probably because of the exorbitant salaries of star players. Many feel that the NHL players have to be worlds better and lightyears faster than our players, of course they are not. The NHL players are not gods, and the Swiss NLA players are not idiots, but the NHL players are noticeably better. They shoot  better, they pass the puck better, they have better puck-control,  and they are also mentally and physically stronger. Nevertheless, a NLA team defeated an NHL team in a show-act. But don’t forget: In a significant best of 7 series even the weakest NHL-team would beat all Swiss teams more or less easily, guaranteed! We have to remember that the level difference is small between the worst and best NHL teams, caused by the salary-cap system on the one hand and the draft on the other. Well over 90% of current NHL players - not included are former, energy- and effortless NHL-cracks – would make our NLA-teams clearly better except if teams for example are looking for a scorer and take a "goon"  or vice versa ... what sometimes happens ...

If we don’t admit these differences this would be very dangerous for our plans to further improve our hockey. The difference is not black to white but maybe dark grey to light grey, and this has it’s logic. The same training effort, the same rules and the same equipment. It's not like that NHL players go to war with stealth bombers and NLA players just with knifes, all are equipped the same and all are professionals.

Advice:
It hurts our hockey when we glorify our level and take a bath in silly arrogance. There is absolutely no need for that because we are good enough and should be self-confident enough to judge our level in a objective way. We don’t have to hide from nobody also not from the truth.

I have a small scouting-mandate for the NHL. I’m very proud of this and I enjoy the NHL-scouting so much! However, this issue must be part of the transparency in this discussion.

Stallikon, 19 October 2011 / Thomas Roost How good is the NHL.docx