Wednesday, October 8, 2014

"Schweizer" NHL-Saisonvorschau 14/15


          
Vorbemerkung:
Dies ist eine Bestandesaufnahme per 8. Oktober 2014. Spielerevaluationen unterliegen dynamischen Prozessen und müssen immer und immer wieder kritisch bestätigt oder angepasst werden. Diese öffentliche Vorschau ist darum mehr als „Spielerei“ zu verstehen und bietet dem Leser die mitunter freudige Gelegenheit, im späteren Verlauf der Saison dem Schreiber eins auszuwischen. Ich nehme dies sportlich und mit einem Augenzwinkern.


Sven ANDRIGHETTO, F, MTL
Sven Andrighetto ist ein sehr talentierter, kreativer und smarter Offensivspieler mit einer guten Spielintelligenz. In der Schweiz wurde er bereits früh von verschiedenen Protagonisten kritisiert. Seine Work-Ethic, sein Spiel ohne Scheibe und sein persönliches Umfeld wurden schlecht geredet. Interessant ist, dass in Nordamerika seine Work-Ethic explizit gelobt wird. Entweder hat er sich in diesem Bereich stark gewandelt oder die negativen Meinungen aus der Schweiz waren unberechtigt. Was auffällt bei Sven Andrighetto ist, dass er – wo immer er auch spielt – stetig zu den Topscorern gehört. Diese eindrückliche Konstanz auf dem Scoresheet hilft ihm teilweise über die Tatsache hinweg, dass er für NHL-Standards zu klein gewachsen ist. Er versucht, diesen Nachteil mit vorzüglichen Leistungen vergessen zu machen.
Aktuelles Ranking bei den Montreal Canadiens:

Sven Andrighetto hatte ein recht gutes Camp und man ist in Montreal mit seiner Entwicklung wirklich zufrieden und das sind nicht – wie so oft – leere Worte. Auf der rechten Flügelposition liegt er im internen Ranking ungefähr auf Position 5. Ich erwarte, dass er im Verlaufe der Saison eine oder zwei Chancen erhält, sich bei den Canadiens in einer Scorer-Rolle zu behaupten.



Sven BAERTSCHI, F, CGY
Guter Spielmacher mit einer guten Mobilität und recht guter Skating-Technik. Gute Instinkte, guter Stickhandler, muss sein defensives Spiel ohne Scheibe verbessern und seine teilweise gezeigte verbesserte Work-Ethic muss konstant ersichtlich sein. Im Spiel ohne Scheibe in der neutralen und in der Defensivzone gibt es noch immer Verbesserungspotenzial. Sven Bärtschi steht an einem Scheideweg seiner Karriere. Er steht nicht hoch im Kurs beim Entscheidungsträger in Calgary, Brian Burke, und darum antizipiere ich im Verlaufe dieser Saison einen Trade. Spätestens dann muss er beweisen, dass er ein NHL-Spieler sein will sonst wird er bald ein hoch bezahlter Spieler in unserer heimischen Liga.


Aktuelles Ranking bei den Calgary Flames:
Nr.5 bei den linken Flügeln, d.h. nicht in der Stammformation. Für ihn ungünstig ist der Zuzug des hoch talentierten Johnny Gaudreau, ebenfalls ein linker Flügel, der Sven Bärtschi im internen Ranking auf dieser Position überholt hat. Zudem war auch Josh Jooris im Camp mindestens so gut wie Bärtschi und mit den Top-Draftpicks Bennett und Monahan hat er hochkarätigste Konkurrenz bei den Youngsters. Es schaut nicht gut aus für ihn bei den Flames.



Reto BERRA, G, COL
Klassischer Butterfly-Goalie der sich trotz imposanter Grösse gut bewegt. In diesem Sinne ist er der perfekte, moderne Goalie. Er dürfte noch etwas mehr an Selbstverstrauen zulegen und sollte manchmal etwas geduldiger in seinen Aktionen sein.
Aktuelles Ranking bei der Colorado Avalanche:
Klare Nummer 2 hinter Semyon Varlamov aber mit noch solidem Vorsprung auf die Nr. 3, Calvin Pickard. 20-30 Spiele sind realistisch.



Damien BRUNNER, F, NJ
Ein unterdurchschnittlich grosser, schneller Flügelstürmer, gut in Eins-gegen-Eins-Situationen, gute Hände, hat keine Angst dorthin zu gehen wo es weh tut. Im Spiel ohne Scheibe noch verbesserungsfähig. Zu oft ertappt man ihn so genannt „out of position“. Muss konstanter werden in seinen Leistungen. Ungünstig für ihn ist die Tatsache, dass die Devils auf der Flügelposition u.a. mit Havlat und Cammalleri aufgerüstet haben.
Aktuelles Ranking bei den New Jersey Devils:
Nr. 5 bei den rechten Flügelstürmern, trotzdem erwarte ich, dass er sich ins Team spielt und vor allem im Powerplay eingesetzt wird und punktet.



Raphael DIAZ, D, CGY
Ein sehr smarter Spieler mit grossen Qualitäten im Bereich „Puck-Movement“. Trifft meistens die richtigen Entscheidungen und ist auch im Powerplay dank seiner Passqualität wertvoll. Im Spiel ohne Scheibe ist er zu wenig kräftig und er sollte auch noch dynamischer auftreten und in gewissen Spielsituationen konsequenter agieren.
Aktuelles Ranking bei den Calgary Flames:
Er war im Try-Out und kämpfte um einen Vertrag. Wenn er diesen in Calgary nicht bekommen hätte, dann wäre er früher oder später bei einem Team unterkommen welches einen verletzten Powerplay-Verteidiger zu beklagen hat. Diaz ist in einer destruktiven Rolle oder als Nr. 5,6 oder Nr. 7-Verteidiger ungeeignet. Er muss in den Top4 sein mit Powerplay-Einsätzen, dann ist er ein brauchbares Asset für das eine oder andere NHL-Team und mit den Calgary Flames hat er exakt ein solches Team gefunden.



Nikolaj EHLERS, F, WPG
Nikolaj Ehlers ist ein sehr guter Skater mit guter Beschleunigung und leichten Gangwechseln. Er gilt als der beste Skater im 2014-NHL-Draft. Aber er ist nicht nur ein exzellenter Skater sondern verdient auch Bestnoten in den Bereichen Kreativität, Hand-/Augen-Koordination und in 1gegen1-Situationen mit dem Puck. Er ist fähig, wirkungsvolle „Moves“ bei höchstem Tempo aufs Eis zu zaubern. Manchmal tendiert er noch dazu, zu viel zu wollen und sich zu spät vom Puck zu trennen. Wenn er noch lernt, in welchen Situationen die „High-End-Skills“ ausgepackt und in welchen Situationen die einfache „High-Percentage-Entscheidung angezeigt ist dann wird Nikolaj Ehlers ein überdurchschnittlicher NHL-Spieler.
Aktuelles Ranking bei den Winnipeg Jets:
Nikolaj Ehlers wird aktuell als die Nr. 5 oder Nr. 6 bei den linken Flügelstürmern gehandelt. Er hatte ein herausragendes Camp. Trotzdem hat es nicht überrascht, dass er für eine weitere Saison nach Halifax ins Juniorenteam zurückgeschickt wurde. Dies ist auch bei grossen Talenten der normale Weg im Draftjahr.






Kevin FIALA, F, NSH
Kevin Fiala ist klein gewachsen, mit kurzen Beinen und einem tiefen Körperschwerpunkt. Er ist aber im Bein- und Hüft-Bereich kräftig gebaut was ihm bei seiner ungewöhnlichen Explosivität hilft. Er hat die Fähigkeit, auf den ersten zwei, drei Metern die Gegenspieler abzuschütteln. Er ist auch mobil in alle Richtungen. Er kann Hockey im höchsten Tempo spielen und die Scheibe auch in kritischen Situationen, z.B. während einer Drehung, locker übernehmen und kontrollieren. Kevin Fiala ist ein guter Puckhandler und auch fähig, in 1gegen1-Situationen Gefahr zu kreieren. Er muss insgesamt noch kräftiger werden und lernen, seine Teammates etwas besser ins Spiel miteinzubeziehen.
Aktuelles Ranking bei den Nashville Predators:
Nach einem sehr guten Camp wurde er wie erwartet zu HV71 zurückgeschickt. Trotzdem hat er sich vielleicht etwas mehr erhofft und es ist interessant zu sehen, wie er auf diese klitzekleine Enttäuschung reagiert nachdem bei ihm in den letzten 10 Monaten mehr als genug perfekt gelaufen ist. Er muss Demut zeigen und selbstkritisch an seiner Weiterentwicklung arbeiten. Im NHL-Draft hat Kevin Fiala durch seine Absage wegen Uebermüdung beim NHL-Combine evtl. eine Top10-Rangierung verpasst. Nicht alle haben diese Absage verstanden.



Jonas HILLER, G, CGY
Jonas Hiller hat schnelle Reflexe und verschiebt sich gut. Er bleibt ruhig und relaxed auch in hektischen  Situationen. Manchmal spielt er zu tief im Tor und tendiert dazu, zu früh nach unten zu gehen weil er sich mitunter zu sehr auf seine Wahrscheinlichkeitsberechnungen verlässt.
Aktuelles Ranking bei den Calgary Flames:
Hiller startet als die Nr. 26-29 aller NHL-Goalies in die Saison und sein direkter Konkurrent, Karri Ramo, ist die Nr. 35, d.h. Hiller ist vorläufig die Nr. 1, spürt aber den Atem seines jüngeren und etwas günstigeren Konkurrenten im Nacken. Er muss in dieser Saison beweisen, dass er zu alter Stärke zurückfindet und seine drei letzten unglücklichen Spielzeiten hinter sich gelassen hat.



Roman JOSI, D, NSH
Roman Josi spielte seine bisher beste Saison bei den Predators und dies zeigt sich auch in der statistisch erfassten Scorerpunkteausbeute. Diese ist umso erstaunlicher, weil er überdurchschnittlich oft bei einem Face-Off in der eigenen Zone auf Eis geschickt wurde. Josi spielt mit einem phantastischen Selbstvertrauen und einer eindrücklichen Gelassenheit. Dies ohne jegliche Gleichgültigkeit erkennen zu lassen. Sein Puck-Moving ist Weltklasse und er trifft auch meistens die richtigen Entscheidungen, scheut sich trotz seiner spielerischen Klasse nicht, den einfachen „High-Percentage-Pass“ zu spielen wenn es angezeigt ist.



Aktuelles Ranking bei den Nashville Predators:
Josi wird aktuell als die Nr. 19 aller NHL-Verteidiger gehandelt. Er ist der beste und smarteste Schweizer Eishockeyspieler den wir haben und ist die aktuelle Nr. 2 hinter Shea Weber in der Nashville Predators-Verteidiger-Hierarchie. Bedrängt wird er vom Jungtalent Seth Jones; dies aber nicht weil Josi schwächelt sondern weil die Predators mit Weber, Josi und Jones drei absolute Top-Verteidiger aufs Eis schicken können.



Ronalds KENINS, F, VAN
Ronalds Kenins ist ein Spieler der viel Leidenschaft und Energie aufs Eis bringt. Er scheut sich auch nicht, den Körper einzusetzen und geht dem Gegner unter die Haut. Seine Spielintensität zeigt NHL-Niveau. Vom Skill-Level her gesehen hat Ronalds Kenins Mühe, die NHL-Reifeprüfung zu bestehen. Seine Handskills sind verbesserungsfähig und in einzelnen Situationen dürfte er auch noch etwas smarter agieren. Mit zunehmender Erfahrung wird er diese noch vorhandene Schwäche eventuell ausmerzen können.
Aktuelles Ranking bei den Vancouver Canucks:
Im internen Canucks-Ranking bei den linken Flügeln ist er derzeit je nach Quelle auf den Rängen 8-10 platziert. Ein langer, steiniger Weg liegt vor ihm wenn er das grosse Ziel, die NHL erreichen will. Allerdings ist er vom Spielerprofil her gesehen durchaus geeignet, auch in einem dritten oder vierten Block eingesetzt zu werden, dies spricht tendenziell für ihn. Trotzdem: Ich erwarte ihn nicht in dieser Saison in der NHL und auch mittelfristig wird es schwierig für ihn, den NHL-Traum zu realisieren.



Mirco MUELLER, D, SJ
Mirco Müller hatte eine Supersaison in Everett (WHL) aber gewisse Schwierigkeiten als er zum Saisonende hin ins AHL-Team promoviert wurde. Er bewegt sich sehr gut in alle Richtungen, Mirco Müller ist ein sehr guter Skater und führt einen langen Stock. Sehr guter erster Pass, smarter aber manchmal noch etwas zögerlicher „Puckmover“ Mirco Müller ist in den letzten 12 Monaten deutlich kräftiger geworden. Er spielt in der Regel ein sehr realistisches, einfaches Hockey und dies macht ihn zu einer bereits stabilen Defensiv-Variante in einer untergeordneten Rolle bei den Sharks. Seine offensiven Qualitäten sind noch verbesserungswürdig; er muss noch proaktiver werden und speziell an der Schusstechnik feilen. Sein Positionsspiel wird er mit Erfahrung auch noch verbessern können.
 



Aktuelles Ranking bei den Nashville Predators:
Vor den Camps war er so in etwa zwischen den Rängen 8-11 angesiedelt innerhalb der Sharks Verteidigerhierarchie. Mirco Müller hatte ein gutes Camp und ist dadurch etwas nach vorne gerückt und hat das „Opening-Night-Roster“ geschafft. Er hat gewisse Chancen, in einer untergeordneten Rolle im Team zu bleiben, d.h. z.B. als Nr.6-Verteidiger und dies ist in seinem Alter eine grossartige Leistung.



Nino NIEDERREITER, F, MIN
El-Nino hat einen so genannten Brückenvertrag unterzeichnet. Bei Brückenverträgen ist man sich noch nicht sicher, wie gut der Spieler sein wird in der Zukunft und beide Parteien gehen beim Vetragswerk Kompromisse ein. Die nächsten drei Jahre werden zeigen, ob er ein Erst- oder Zweitlinienforward werden wird oder ob er mit einer untergeordneten Rolle vorlieb nehmen muss. Bis jetzt hat er den Status eines Top2-Line-Forwards noch nicht ganz geschafft. Falls er diesen Status nicht schafft, darf er dank seines Spielerprofils immerhin erwarten, sich nicht in der "Press-Box" sondern in einer dritten Linie wieder zu finden. Nino Niederreiter ist ein Powerforward nordamerikanischen Zuschnitts. Er sucht wenn immer möglich den Abschluss und scheut sich auch nicht, den Infight im Slot zu suchen. Seine für den Gegner unangenehme, intensive physische Note sollte er versuchen, Spiel für Spiel zu präsentieren. In diesem Bereich ist er noch zu unkonstant, dasselbe gilt ansatzweise für's Scoring. 
Aktuelles Ranking bei Minnesota Wild:
El-Nino wird aktuell als Nr. 3 der Right Wingers gelistet. Charlie Coyle und Matt Cooke sind seine grössten Konkurrenten im Kampf um eine Rolle mit viel Eiszeit. Ich erwarte aber, dass El-Nino El-Nino seine Produktion auf mindestens 40 Skorerpunkte erhöht. Nicht immer sind alle Top-Spieler gesund und El-Nino wird einer der ersten sein, der dann mit zusätzlicher Eiszeit profitiert.



Tanner RICHARD, F, TB
Tanner Richard ist ein guter Passeur, Spielmacher mit einer guten Spielübersicht die ihm vor allem im Powerplay zugute kommt. Um in den NHL-Fokus zu rücken muss er torgefährlicher werden, den Abschluss vermehrt suchen, seine läuferischen und schusstechnischen Qualitäten verbessern und die Spielintensität erhöhen.
Aktuelles Ranking bei Tampa Bay Ligthning:
Aktuell wird er in  Tampa als ihre ungefähre Nr. 9 bei den Centern gelistet. D.h. der Weg ins NHL-Team ist noch sehr weit. Vorerst muss er sich in der AHL etablieren und dies ist schwer genug. Ich erwarte keine NHL-Einsätze von ihm in dieser Saison und in zwei Jahren den Königstransfer für die Rapperswil-Jona Lakers.



Luca SBISA, D, VAN
Die NHL-Mehrheitsmeinung ist, dass Sbisa bei den Flyers in seinen sehr jungen Jahren zu stark „gepusht“ worden ist. Man glaubt, dass dadurch seine Entwicklung ins Stocken geriet und er heute nicht der Top-Zweiwegverteidiger ist so wie man dies erwartet hat. Selbstverständlich ist dies nur eine These denn niemand weiss auf welchem Level Sbisa heute spielen würde wenn man mehr Geduld mit ihm gehabt und ihn auf tieferem Level entwickelt hätte. Luca Sbisa ist kompetitiv, steht stabil auf den Schlittschuhen und ist mobil. Er ist ein furchtloser „Hitter“ und hat auch akzeptable Schussqualitäten. Im defensiven 1gegen1 ist er noch nicht immer positionsstark genug. Zudem muss er noch lernen, sich entwickelnde Spielzüge schnell genug zu erahnen. Verbesserungswürdig sind zudem sein erster Pass und bei den zum Teil spektakulären „Hits“ muss er aufpassen, dass er dadurch nicht allzu sehr „out of position“ gerät.
Aktuelles Ranking bei den Vancouver Canucks:
Aktuell ist er die Nr. 5 in der Canucks-Defense. Er kann maximal eine Nr. 4 werden muss aber aufpassen, dass er nicht nach hinten durchgereicht wird. Eine entscheidende Saison steht für Luca Sbisa vor der Tür.



Mark STREIT, D, PHI
Smart mit dem Puck, vor allem im Transition und gesegnet mit einem sehr guten Direktschuss. Weniger effizient im Spiel ohne Scheibe und mit Problemen im „Infight“ gegen Powerforwards.
Aktuelles Ranking bei den Philadelphia Flyers:
Er gehört zu den Top4-Verteidigern bei den Flyers und „profitiert“ durch die unerfreuliche Krankheitsakte von Kimmo Timonen. Mark Streit wird durch dessen Absenz noch mehr Eiszeit erhalten in dieser Saison und ich glaube, dass er auch dadurch seine letztjährige Punkteproduktion (44 Scorerpunkte) mindestens halten kann.



Joel VERMIN, F, TB
Ein sehr talentierter Stürmer mit guten Händen und vielen Stärken im Spiel mit der Scheibe. Ausgestattet mit einem Buchhalter-Gesicht wird er betr. Physis tendenziell unterschätzt. Grundsätzlich ist er ein smarter Spieler. Unerklärlicherweise hatte er eine völlig verkorkste Saison beim SCB und unter diesen Voraussetzungen verwunderte es nicht, dass er auch bei seiner späten Berufung ins Tampa Bay Farmteam nicht überzeugt hat.



Aktuelles Ranking bei Tampa Bay Lightning:
Je nach Quelle liegt er bei den rechten Flügelstürmern auf den Rängen 8, 9 oder 10 im internen Ranking und dies indiziert, wie weit sein Weg noch ist bis in die NHL. Ich erwarte in dieser Saison keine NHL-Berufung für ihn und für später das grosse Checkbuchwedeln der finanzkräftigsten Teams in der Schweiz.



Yanick WEBER, D, VAN
Yanick Weber hat ein klares Stärken-/Schwächen-Profil. Er ist ein ausgezeichneter Fern-Schütze und diese Stärke bringt ihm immer wieder Einsätze im Powerplay und – für einige überraschend – erneut einen NHL-Vertrag, diesmal bei den Vancouver Canucks. Weber ist in seinem Spiel etwas eindimensional mit (zu) vielen Fehlern in der Defensive und zu wenig Wasserverdrängung im Slot, aber auf der blauen Linie entwickelt er Gefahr und spielt mit erstaunlichem Selbstvertrauen.
Aktuelles Ranking bei den Vancouver Canucks:
Je nach Quelle wird Yanick Weber als die Nr.6, 7 oder 8 gehandelt in der Canucks Verteidigerhierarchie. Ich glaube, dass er uns alle erneut überraschen wird und auf eine stattliche Anzahl Spiele kommt mit dem einen oder anderen Powerplaytor. Mittelfristig glaube ich aber, dass er zu den sehr gut bezahlten Spielern in unserer heimischen Liga gehören wird.



Horgen, 8. Oktober 2014 / Thomas Roost                        PreseasonPreviewSwissPlayersNHL1415.docx

Wednesday, September 24, 2014

"Wir haben härter gearbeitet und Charakter gezeigt"

Seit geraumer Zeit trage ich ein Unwohlsein in mir rum denn ich will was sagen, schreiben, aussprechen aber ich habe den Zünder für die Rakete noch nicht gefunden. Die stets inflationärer benützten und absolut nichts sagenden Plattitüden nach Spielen wie z.B. „wir haben Charakter gezeigt“, „wir müssen und werden härter arbeiten als die anderen“, „wir haben jetzt wieder eine Leistungskultur“ etc. etc. gehen mir richtig auf den Geist. Es gelang mir aber bisher nicht, dieses Unbehagen in eine sinnvolle Botschaft umzuwandeln. Es brauchte jemand der das Ketchup-Flaschen-Syndrom (zuerst kommt gar nichts und dann alles miteinander) provozierte und dieser Jemand ist jetzt gefunden! Danke, Sean McIndoe, danke für deine inspirierenden Worte, deine unpopulären aber umso wichtigeren Korrekturen zu teilweise einfältigem Hockey-Gedankengut.  Diese liegen den nachfolgenden Zeilen zugrunde. Sean McIndoe ist ein nordamerikanischer Hockey-Blogger, zu finden unter „Down goes Brown“. Here we go:

Charakter wird über- und Talent wird unterschätzt. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Charakter ist wichtig, im Leben ganz allgemein und selbstverständlich ganz besonders auch im Spitzensport. Es gibt Spieler die arbeiten sehr hart und andere sind faul. Es gibt Spieler die verbreiten eine positive Atmosphäre in der Kabine und andere sind Gift. 90% der NHL-Spieler liegen talentmässig sehr nahe beisammen. Ein „Mü“ härter arbeiten hier und ein wenig mehr Teamzusammenhalt da kann die kleine Differenz ausmachen, um in einem oder zwei Spielen die notwendigen Punkte für die Playoff-Qualifikation zu schaffen. Dies will ich nicht in Frage stellen.

Charakter ist wichtig aber nicht alles. Wenn ich die unzähligen Hockeyanalysen vor Augen halte die ich in den letzten Jahren aufgesogen habe dann habe ich das Gefühl bekommen, dass Charakter das einzig Wichtige ist im Hockeysport. Es werden Spieler übersteigert beurteilt die "gut sind in der Kabine". Wenn ich dieser Logik folge dann warte ich darauf, dass Clubs irgendwann Viktor Jacobbo, Pfarrer Sieber oder eine Femme Fatale engagieren, um die Stimmung in der Kabine situationsabhängig in die richtige Richtung zu lenken.  Der Charakter, die Stimmungslage, der Teamgeist, das waren mal einzelne Erfolgsfaktoren von vielen und heute scheinen es die wichtigsten Faktoren überhaupt zu sein wenn nicht die einzigen. Viele Coaches im Nachgang zu den Spielen, viele Journalisten und Fans die in den Printmedien und im Web ihren Kommentar abgeben sprechen heute über den Charakter als den heilsbringenden Faktor. Wenn eine Mannschaft im letzten Drittel einen 0-5-Rückstand zu einer 3-6-Niederlage „korrigiert“ dann hat die Mannschaft Charakter gezeigt. Bei einem Sieg hat man härter gearbeitet und eine Siegesserie wird mit dem Einzug einer Leistungskultur erklärt. Niederlagen werden mit zu wenig Kampfgeist, zu wenig hart gearbeitet und mit „zu wenig Charakter gezeigt“ analysiert. Die ultimativen Erfolgsfaktoren sind demnach: Charakter, härter arbeiten, positiv denken und eine so genannte Leistungskultur.  Kleine Frage am Rande: Kennen Sie auch nur einen einzigen Coach eines Profisportteams der eine Leistungskultur bei sich verneinen würde?

Zurück zum Charakter:  Charakter ist nicht alles, Charakter ist nicht wichtiger als Talent und nicht wichtiger als den einzelnen Spielern passende Rollen zuzuordnen.  Noch wichtiger als Charakter ist es, das notwendige Glück zu haben, doch dazu später! Charakter und damit verwandte Bereiche wie zwischenmenschliche Chemie, Kultur, Körpersprache und Wettbewerbsfähigkeit dominieren die heutigen „Hockey-Analysen“. Mannschaften verlieren heute Spiele nicht weil sie schlechte Spieler oder einen unpassenden „Game-Plan“ haben sondern sie kämpfen zu wenig, arbeiten zu wenig hart, zeigen zu wenig Charakter und lassen eine Leistungskultur vermissen. „Jeder kann gewinnen, er muss es nur wollen“ – „wir haben den Sieg mehr gewollt“ etc. etc. Entschuldigung, aber all dies ist „Kindergartenrhetorik“ in Reinkultur. Nicht jeder kann in der NHL und auch nicht in der National League A gewinnen. Hart arbeiten und ein guter Teamkollege sein sind zweifelsfrei positive Eigenschaften. Aber… es gibt Spieler die sind schlicht und einfach besser als andere, manchmal enden richtige Spielstrategien in einem resultatmässigen Desaster und manchmal spielt  und kämpft man grossartig aber der Puck findet den Weg nicht ins Tor. Und was tun wir „Analysten“? Wir negieren all dies und hängen alles an grossartigen oder fehlenden Persönlichkeiten auf.

In der Psychologie gibt es das Phänomen des fundamentalen Attributionsfehlers. Damit bezeichnet man die Neigung, den Einfluss von Faktoren wie z.B. Persönlichkeitseigenschaften, Einstellungen und Meinungen auf das Verhalten anderer systematisch zu überschätzen und äussere Faktoren (z.B. Glück) zu unterschätzen. Dies ist ein kapitaler menschlicher Fehler der in der oberflächlichen Sportberichterstattung Einzug gehalten hat und mittlerweile sogar vielerorts dominiert.  Hierzu ein Beispiel: Wenn ich einen Verkehrsunfall verursache dann „entschuldige“ ich dies mit „harter, ermüdender Tag im Büro“, „das Kind hat auf dem Rücksitz geschrien“, „wegen dem Regen und dem Nebel konnte ich nicht gut sehen“ etc. etc. Wenn ein anderer mich mit dem Auto rammt dann ist dieser Andere schlicht ein Idiot. Wenn wir dies erkennen dann stellen wir schnell fest, dass uns bei Sportanalysen dieser Fehler immer und immer wieder begegnet. Eine unterdurchschnittliche Phase eines Starstürmers wird nicht damit erklärt, dass er von gegnerischen Defensivspezialisten sehr clever kontrolliert wurde oder dass er vom Coach eine nicht sehr passende Rolle auferlegt bekommen hat. Auch latente Verletzungen oder ganz einfach eine Phase ohne Wettkampfglück werden kaum als Erklärungen herbeigezogen und schon gar nicht akzeptiert. Nein, die Moralkeule wird ausgepackt: „Er hat nicht genug gekämpft, sich gegen das drohende Unheil nicht genügend gewehrt, zu wenig Siegeswille war zu erkennen, den Weg zum Sieg nicht gefunden.“ Wir neigen dazu, diesen kleinen Teil der Erfolgs- oder Misserfolgsgründe massiv übersteigert wahrzunehmen. Wir bewegen uns vom eigentlichen Hockeyspiel hin zur Moralität und reichern dieses Menu mit Helden und Schurken an; am Ende gewinnt immer der „Held“. Märchenstunde pur! „Du musst ganz einfach dein Bestes geben und alles wird gut“. Ja, dies funktioniert vielleicht wenn ich dies meiner kleinen Tochter am ersten Schultag mit auf den Weg gebe, um ihre Nervosität zu lindern.  Aber dies ist keine ernst zu nehmende Strategie im professionellen Sport. Wir müssen uns vom Infatilismus in der Sportanalyse trennen. 

Lasst uns den Faktor Glück sachlich und entspannt diskutieren. Die Ideologie bleibt für einmal aussen vor. Glück ist ein grosser Faktor im professionellen Eishockey und das ist ok so. Wir sollten demütig genug sein und dies endlich respektieren und akzeptieren. Jedermann der Eishockeyspiele ehrlich und sachlich analysiert weiss, dass so genannte „lucky bounces“ des Pucks sehr oft das Spielresultat entscheiden oder mindestens mitentscheiden. Ein diskussionswürdiger hoher Stock führt zu einem Powerplay, ein unglücklicher Abpraller führt zu einer Torchance oder eine zufällig abgelenkte Scheibe düpiert den Goalie und schon haben wir das „game winning goal“. Das ist pures Glück resp. Unglück und es geschieht immer und immer wieder. Selbstverständlich will man dies nie hören und lesen denn man will ja alles kontrollieren und erklären können. Glück und Unglück sind immer und überall in der NHL und in der National League A und es sollte weder verboten noch ignoriert werden. Es ist sicher so, dass Glück nie allein über den Ausgang eines Spiels entscheidet, es gibt viele andere Faktoren die man auch berücksichtigen muss. Es stimmt auch, dass sich über eine lange Saison hinweg Glück und Unglück in der Regel etwas ausgleichen aber: „Sie haben unglücklich gespielt“ sollte immer am Anfang einer Analyse stehen und nicht erst am Ende. Wir dürfen keine Angst haben dies anzusprechen wenn wir über den Ausgang eines Spiels, einer Serie oder einer gesamten Saison diskutieren.

Eine zweite Unart in der Sportanalyse ist die Verherrlichung resp. Verurteilung von Spielern die in einer kurzen Zeitspanne extrem gute oder schwache Werte vorzuweisen haben. Die Goalie-Save-Percentage aus nur wenigen Spielen als Beurteilungsmassstab zu verwenden ist höchst unprofessionell. Stürmer die in 7 Spielen 8 Tore erzielen um dann diese „Pace“ als Hochrechnungsgrundlage für eine gesamte Saison zu verwenden ist genau so naiv. Topstürmer, die während 20 Spielen keine Tore erzielen, zu verurteilen ist schlicht falsch. Hierzu folgende Fakten: In der letzten NHL-Saison gab es eine Phase von 18 Spielen in denen Sidney Crosby – der Liga-Topskorer – nur ein einziges Tor erzielte. Ryan Getzlaf hat während 21 Spielen nur 2 Tore erzielt. Im Verlaufe einer langen Saison gibt es nicht nur bei Teams sondern auch bei den besten Spielern der Welt Phasen in denen alles von alleine zu funktionieren scheint und Phasen in denen unerklärlicherweise nichts geht. Das ist normal und wir sollten uns davor hüten, in solchen Phasen voreilige Schlüsse zu ziehen.

Lasst uns das Hockeygeschehen wie erwachsene Menschen sachlich und professionell analysieren und beurteilen.

Ich habe fertig!


Thomas Roost

Monday, September 1, 2014

Neue Besen

Im Misserfolg stellt man sehr schnell die Forderung nach „neuen Besen“. Ein neuer Trainer, neue, junge Spieler, neue Ausländer, ein neues Spielsystem, eine neue Trainingsmethodik, ein Psychologe, ein Motivator und so weiter und so fort... ganz einfach alles anders als es bisher war. Wenn der bisherige Trainer ruhig und sachlich war dann will man künftig einen kommunikativen Lautsprecher mit Emotionen oder umgekehrt. Wenn die ungenügenden Ausländer Skandinavier waren dann will man jetzt Nordamerikaner oder umgekehrt. Hat man Spiele verloren in denen die technisch versierten Spieler zu wenig Kriegermentalität gezeigt haben dann sucht man so genannte „Blue Collar“-Spieler die vor allem kämpfen können und wenn man mit ebendiesen Kämpfern Misserfolg hatte dann ist man auf der Suche nach mehr Talent. Die Gefahr bei diesen Analysen ist das Festhalten an zum Teil skurrilen „Weisheiten“ die keine sind. Wenn ein Team Erfolg hat lese ich oft „alles richtig gemacht“ und umgekehrt. Dies ist nur ein Beispiel dieser skurrilen Weisheiten die sich im europäischen Profisport vielerorts hartnäckig behaupten. Selbstverständlich macht man auch im Erfolg nicht alles richtig und im Misserfolg nicht alles falsch. Es ist auch falsch zu glauben, dass ein Trainerwechsel mehr Erfolg bringen wird wenn es nicht gut läuft. Hierzu gibt es mittlerweile verschiedene Studienresultate die das Gegenteil beweisen. Bei Trainerwechseln tappt man in die Falle des so genannten „Regression zur Mitte Effekts“. Die Erklärung: Ein Trainerwechsel erfolgt meistens wenn das Team Resultate einfährt die unter den realistischen Erwartungen liegen. Man wechselt dann den Trainer und stellt nachher fest, dass die Resultate jetzt tatsächlich besser sind, klopft sich auf die Schulter und glaubt, dass man mit dem Trainerwechsel richtig gehandelt hat. Falsch. Im Verlaufe einer Saison gibt es Phasen in denen ein Team über den Erwartungen spielt, Phasen die den Erwartungen entsprechen und Phasen in denen man unter den Erwartungen bleibt. Dies sind normale Schwankungen. Es ist wahrscheinlich, dass nach einer Phase der nicht erfüllten Erwartungen eine Phase der erfüllten oder der übererfüllten Erwartungen folgt. Dies hat rein gar nichts mit einem Trainerwechsel zu tun. Diese Weisheit lässt sich auch auf andere Situationen im Leben übertragen. Z.B. die erfolgreichste Aktie der letzten drei Jahre wird kaum mehr die erfolgreichste der nächsten drei Jahre sein. Oder: Sie erleben in ihrem Wohnort einen Kälterekord. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird die Temperatur in den folgenden Tagen ansteigen – in Richtung des monatlichen Mittelwerts. Dies nennt man den „Regression zur Mitte-Effekt“. Bitte überprüfen Sie diesen Gedanken bevor sie ihn voreilig begraben. 

Dasselbe wenn man über Spielsysteme diskutiert. Im Misserfolgsfall wechselt man sehr oft das Spielsystem und auch hier gilt es, den „Regression zur Mitte-Effekt“ zu beachten. Wir müssen uns darauf einigen, dass es die „beste“ Art Eishockey zu spielen nicht gibt. Es gibt auch diesbezüglich keine einfachen Antworten. Wenn es so einfach wäre, dann würden alle Teams mit ein und demselben System spielen. Jedes Spielsystem, jeder Trainer, jeder Spieler und jede Trainingsmethodik haben Vor- und Nachteile, das ist die unspektakuläre aber sachlich vermutlich einzige Wahrheit. Gute Trainer haben ein intuitives Verständnis für eine massgeschneiderte Strategie für den jeweiligen Moment, nicht mehr und nicht weniger und – ganz wichtig – diese Momente lassen sich nicht transferieren in die Zukunft. D.h. die situativ richtige Strategie in einer ganz bestimmten Spielentwicklung ist vermutlich nicht die richtige Strategie in einer künftig ähnlichen Situation. Diese Erkenntnisse sind frustrierend für uns Suchende, die Wahrheiten, die Siegesrezepte finden wollen.

Bei der sachlichen Analyse müssen wir auch anerkennen, dass Eishockey zu ca. 40% von Zufällen und Seltenheiten definiert wird. Zufall, Glück und kuriose Umstände bestimmen das Geschehen auf dem Eishockeyrink ziemlich stark. Anders als z.B. im Basketball – trägt die Seltenheit von Toren viel dazu bei. 40% ist Zufall und im europäischen Profimannschaftssport beeinflusst zu 50% das Budget den Erfolg weil wir in unseren Breitengraden keine „Salary Caps“ kennen. 10% können wir selbst mit Sportkompetenz, mit Innovation und professionellen Analysen beeinflussen und mit diesen 10% gilt es sich zu beschäftigen falls das wirtschaftliche Potenzial bereits ausgereizt ist. Interessanterweise sind oft Verzweiflung, Bedeutungslosigkeit und finanzielle Engpässe der beste Nährboden für Innovation. Die grossen analytischen Durchbrüche müssen wir nicht bei Manchester United, Bayern München, Barcelona, dem SC Bern, den ZSC Lions oder dem HC Lugano suchen. Diese Clubs sind erfolgreich weil sie das Wichtigste zur Genüge haben was man mangels „Salarycap“ im europäischen Profimannschaftssport haben muss: Geld. Innovationen werden wir dort kaum finden, sportliche Kompetenz und Innovationsfreudigkeit ist bei diesen Clubs weniger wichtig als bei Clubs mit bescheidenen Budgets weil sie Fehler schnell und ziemlich schmerzlos mit Geld korrigieren können. Die grössten Innovationen in der Profisportgeschichte kommen immer von „Underdog-Teams“ wie z.B. den Oakland Athletics im Baseball und jüngst, im Premier League Fussball, von Wigan. Oakland und Wigan gehören beständig zu den budgetschwächsten Teams in ihren Ligen und trotzdem hat sich Oakland immer wieder für die Playoffs qualifiziert und Wigan konnte sich viele Jahre mit einem unglaublichen Minibudget in der Premier League halten. Wir müssen diese Erfolgsbeispiele untersuchen und daraus lernen. Es bringt vermutlich sehr viel weniger wenn wir die Strukturmodelle der ZSC-Lions-Pyramide oder die Fussballschule des FC Barcelona untersuchen. Diese Modelle funktionieren vor allem dank viel Geld.

Nur mit innovativen Ideen, unorthodoxen Experimenten und kreativen Ansätzen können budgetschwache Teams langfristig überleben und am Anfang dieser Ideen steht ein solides sportanalytisches Fundament. Von Stammtischweisheiten die keine sind müssen wir uns verabschieden. In diesem Sinne bin ich sehr für neue Besen, nicht aber zwingend für neue Spielsysteme, Trainer und Ausländer sondern für neue Ideen.

Niemand wird eine einzige, allgemein gültige Siegesformel aus dem Hut zaubern. Das Eishockey wird sich mit Hilfe von vielen kleinen Erkenntnissen von höchst unterschiedlichen Personen schrittweise weiterentwickeln. Für budgetschwache Teams gilt es, mehrere dieser kleinen Erkenntnisse früher zu entdecken als die Konkurrenz. Dieser steinige Weg führt nicht zu kurzfristig spektakulären Ergebnissen sondern langfristig zu nachhaltig kleinen und manchmal fast unscheinbaren Resultaten. In der Summe provoziert dies dann aber den ersehnten, stabilen Schritt nach vorne. Budgetschwache Teams müssen ständig auf der Suche nach vielen kleinen neuen Besen sein. Hierzu gehört auch der Mut, sich zu blamieren. Nur mit innovativen Experimenten kann man den gesuchten „Lotto-Sechser“ provozieren und diesen gilt es anzustreben.



Horgen, 1. September 2014 / Thomas Roost